Interview mit Mathias Hoffmann über das „Tansania Projekt“

 

 

 

 

 

Was genau ist das Tansania Projekt?

 

 

 

“Es ist eine Schulpartnerschaft mit der Primary and Secondary School in Msuka, einem Ort auf der Insel Pemba, nördlich von Zanzibar. Politisch gehört die Insel zu Tansania. In dieser Schule gibt es einen sehr engagierten Lehrer, durch den die Partnerschaft entstanden ist. Inzwischen macht das ganze Dorf mit. Und dort waren wir zu Besuch.”

 

 

 

 

 

Mit wem fährt man dort hin?

 

 

 

“Das Projekt hat in der 8.Klasse angefangen und lief über 4 Jahre. In diesem Jahr sind wir dann mit 11 Schülern der inzwischen 11.Klasse hingefahren. Da für die mitreisenden Schüler Flüge bezahlt und Unterkünfte organisiert werden mussten, konnte nicht die ganze Klasse mit. Wir kamen vor Ort bei Gastfamilien unter.” 

 

 

 

 

 

Wie waren die Unterkünfte und Verpflegung?

 

 

 

“Die Verpflegung ist sehr üppig, was man sich wahrscheinlich nicht vorstellen kann für Afrika. Früchte, die wir im Supermarkt kaufen müssen, hat dort jeder im Vorgarten stehen. Es werden Reisgerichte gekocht, aber auch Gerichte mit Kartoffeln. Es gibt Süßkartoffeln, die normale weiße Kartoffel und Fleisch natürlich auch. Da die Insel muslimisch ist, gibt es allerdings kein Schweinefleisch, dafür aber Huhn und Rind.”

 

 

 

(Vielfalt siehe Fotos)

 

 

 

 

 

Mit welchen Zielen und Erwartungen sind sie dort hingeflogen?

 

 

 

“Wir sind mit dem Ziel hingeflogen, unsere Partner, die Situation vor Ort, das Land und die Menschen besser kennen zu lernen und zu sehen, wie sie ihren Alltag bestreiten.

 

Konkrete Erwartungen hatte ich nicht, ich wollte alles auf mich zukommen lassen.”

 

 

 

 

 

Wie ist das zu Stande gekommen, was erhoffen sie sich von einer Schulpartnerschaft und warum gerade Tansania?

 

 

 

“Wir haben eine Förderung über das Bundeswirtschaftsministerium erhalten. Innerhalb der 4-jährigen Entwicklung haben wir einen Antrag eingereicht über eine nachgeordnete Organisation namens ENSA (Entwicklungspolitisches Schulaustauschprogramm der Engagement Global gGmbH), die dann die Reise gefördert hat. Die Kosten hätte(n) die Schule/Schüler ja nicht alleine tragen können.

 

 

 

Der globale Süden ist für uns Menschen in Europa und auch in den entwickelten Wirtschaftsstaaten interessant, weil wir voneinander ganz viel lernen können.

 

Afrikanische Länder wie Tansania sind überflutet mit Müll. Müllabfuhr und Recylinganlagen sind dort nicht vorhanden.

 

Die Menschen kaufen Produkte, die aus Plastik bestehen. Aufgrund der fehlenden Müllabfuhr landet der Abfall auf der Straße. Es ist nicht so wie bei uns, es gibt keinerlei Entsorgungsmöglichkeiten. Es liegt überall Müll. Und das ist schon erschreckend, denn wir hier in Europa, in China und den USA sind ja diejenigen, die es produzieren. Die Produkte werden dorthin geliefert und an die Menschen verkauft, welche dann gar nicht wissen, wohin mit dem ganzen Plastikmüll. Die Menschen ersticken an dem Plastikmüll.”

 

 

 

 

 

In welchem Zeitraum erfolgt der Aufenthalt?

 

 

 

“Aufgrund der langen Reise, insgesamt haben wir von Crivitz nach Pemba 48 Stunden gebraucht, waren wir 3 Wochen da. Uns war vorgeschrieben, dass wir mindestens 2 Wochen vor Ort verbringen, um auch den Alltag dort kennen zu lernen.”

 

 

 

 

 

Musste man irgendwelche Voraussetzungen erfüllen um daran teilzunehmen?

 

“Erste Voraussetzung, um Menschen in einem anderen Land zu verstehen, ist die Sprache. Es gibt einen arabischen Einfluss, in einigen Gebieten wird arabisch gesprochen. Aber auch mit Suaheli verständigt man sich dort. Deshalb haben unsere Schüler und Schülerinnen einige Einheiten Suaheli gelernt, um sich wenigsten begrüßen oder sich vorstellen zu können. 

 

Eine weitere Voraussetzung für eine Reise nach Afrika waren einige Impfungen,

 

Und man sollte sich für andere Länder und Kulturen interessieren.  In dem 4-Jährigen Projekt lernten die Schüler auch, wie man Plastik vermeiden kann.”

 

 

 

 

 

Können wir zukünftig Besuch aus Tansania an unserer Schule erwarten?

 

 

 

“Ja, es wird einen Besuch geben von der Schule in Msuka. Ich weiß leider nicht, ob es für unsere Partner möglich ist, dass sie mit so vielen Teilnehmen hierherkommen können. Das hängt von ihren finanziellen Möglichkeiten ab. Aber wir werden es unterstützen, dass Schüler und Lehrer aus Msuka nach Crivitz kommen können. Das wird wahrscheinlich im nächsten Schuljahr passieren.”

 

 

 

Halten sie unser Bildungssystem nach der Pisa Studie zu urteilen für übertragbar oder nutzbar in anderen Kulturen?

 

 

 

“Übertragen auf die afrikanische Kultur halte ich es für fraglich. Obwohl das Bildungssystem mit Grundschule, weiterführender Schule und Universitäten so aufgebaut ist wie unseres, wurde den Menschen dort eigentlich unser Bildungssystem übergebürdet. Die Regierung dort verlangt, dass die Schüler in den Hauptfächern nicht in ihrer Muttersprache unterrichtet werden, also in Suaheli, sondern auf Englisch.

 

Ich habe vor Ort am Physikunterricht teilgenommen, in dem der Lehrer also 40 Minuten auf Englisch unterrichtet hat. Die Schüler saßen da und haben nicht viel verstanden. Dann hat der Lehrer in den letzten 5 Minuten nochmal auf Suaheli das erklärt, was er unterrichtet hat. Es hatten dann immer noch nicht alle verstanden, aber die Stunde war zu Ende. Wir haben den Lehrer gefragt, ob es sinnvoll war, auf Englisch zu unterrichten. Er hat bestätigt, dass 50% der Schüler nicht verstanden haben, was er gesagt hat. Das ist bestimmt ein großes Problem, dass diese Länder versuchen an unseren Standard heran zu wachsen, aber die falschen Schlüsse ziehen. Die Lehrer wissen das, aber der Staat nicht. Von daher glaube ich, dass unser System nicht auf alle Kulturen übertragbar ist.”

 

 

 

 

 

 

 

 Vielen Dank an Herrn Hoffmann für das interessante Gespräch
 Tjark Göldenitz 9c